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Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg    


2014 122015 2   Januar 2015  
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Eintrag von samsina am 3.1.2015

Brief an meinen Ehemann Nafai


Mein liebster Engel,

eigentlich möchte ich dir diese Worte sagen und wahrscheinlich habe ich das auch schon getan und am allerliebsten wäre es mir, wenn du sie einfach wüsstest und in dir spüren könntest, und ich glaube, das ist auch so. Dennoch schreibe ich dir diese Worte:

Ich möchte dir danken für all das, was du in den letzten neun Monaten für mich warst und was du für mich getan hast: für dein Verständnis, für deine Geduld, für die Bereitschaft meine Hormonschwankungen als solche zu akzeptieren und sie nicht persönlich zu nehmen, für das Da-Sein und Mich-in-den-Arm nehmen, für das Wärmen, Streicheln, Massieren, Heilen, für den Rund-um-Service, den du mir bietest (von Tee am Morgen bis Zink am Abend), für deine Liebe, die in all dem und noch vielem anderen sichtbar wird. Und so vieles mehr, was mir jetzt im Moment des Schreibens nicht mehr einfällt. Dafür, dass es dich in meinem Leben gibt, dass du mein Mann bist, dass du der Vater unseres Kindes bist. Ich könnte mir keinen Besseren für all das vorstellen.

Entschuldigen möchte ich mich auch für all das, was in den letzten neun Monaten vielleicht nicht so gut gelaufen ist oder was einfach zu kurz gekommen ist: für die manchmal fehlende Kuscheligkeit, dafür, dass die körperliche Anziehung so anders geworden ist, dafür, dass mir für manche Dinge einfach die Energie gefehlt hat oder ich das Gefühl hatte, anderes vorrangig tun zu müssen, dafür, wie ich manchmal war. Es fällt mir schwer das genau in Worte zu fassen, aber ich hoffe, du weißt, was ich dir mit diesem Absatz sagen will.

Wenn Leute sagen, dass die Geburt des ersten Kindes alles verändere, dass danach nichts mehr so sei wie vorher, macht mir das immer ein wenig Angst. Du weißt, das Veränderungen nicht immer mein Ding sind. Aber heute Nacht ist mir plötzlich eingefallen, dass Veränderung ja nicht Veränderung zum Negativen heißen muss. Es kann ja noch besser werden, als es schon ist. Und was mir auch noch aufgefallen ist, dass es dann einen weiteren Begriff gibt, der genau uns beide meint: So wie das Wort Ehepaar nach unserer Hochzeit, sind wir dann auch Eltern. Das kann keiner von uns beiden alleine sein. Alleine sind wir Mama oder Papa, aber Eltern, das meint dich und mich zusammen, als unschlagbares Team. Ich freue mich - trotz mancher Ängste, die in mir sind und die eben auch zu mir gehören - sehr darauf, ein Teil dieser Einheit mit dir zu sein.

Was meine Ängste betrifft, so beziehen sie sich nicht auf dich, sondern eher auf mich, denn zu dir habe ich grenzenloses Vertrauen. Du bist mein Engel. Und ich hoffe so sehr, dass das Besondere, was zwischen dir und mir ist, das, was uns vielleicht schon von manch anderem Paar unterscheidet, die kommende anstrengende Zeit gut übersteht und vielleicht sogar wachsen kann, noch schöner und strahlender werdend. Denn natürlich sind wir Eltern und unser Kind wird das beherrschende Thema sein, aber trotzdem möchte ich auch deine geliebte Samsfee, deine Ehefrau bleiben. Ich möchte nichts von meiner Liebe zu dir aufgeben. Kolleginnen haben mal so etwas gesagt, dass sie eher auf ihren Mann verzichten könnten als auf ihr Kind. Aber unser Kind ist doch ein Ausdruck unserer Liebe, ist ein Teil von UNS, dieses Kind wird es nur geben, weil es mich UND dich gibt. Und das macht meine Liebe zu dir eigentlich nur noch größer.

Ich könnte noch so viel schreiben, aber ich glaube, dass ich das Wichtigste geschrieben habe und dass alles andere, auch wenn es ungesagt bleibt, doch den Weg zu deinem Herzen findet - auf irgendeine Weise.

Doch noch etwas, was mir einfällt: Lass uns nicht vergessen, dankbar zu sein. Dankbar dafür, dass wir einander haben, dass diese Schwangerschaft insgesamt doch recht gut verlaufen ist, dass wir das Glück haben, ein Kind zu bekommen und für so vieles mehr, das uns manchmal so selbstverständlich vorkommt, es aber eigentlich nicht ist.

ICH LIEBE DICH, MEIN ENGEL!

Dein Sams


Kommentare


Von nafai am 03.01.2015 - 14:13 Uhr
Ach Du meine Güte!
(Der Engel ganz rot wird)
Da leuchten ja gleich meine Flügel
und die Ohren flattern.

Von lilie am 08.01.2015 - 14:16 Uhr
Liebe samsina,

was für schöne Worte. Als eure Leserin habe ich auch das Gefühl, dass ihr etwas besonderes habt. Mit einem Kind bereichert sich euer leben, auch wenn es anfangs viel Aufmerksamkeit braucht. Aber es kommen dann auch wieder andere Zeiten, ganz langsam.

Ich denke an diesen tagen sehr oft an euch.

Alles liebe,
Lilie

Von blackmail am 08.01.2015 - 15:35 Uhr
Hallo samsina,

wunderschöne Worte hast du für deinen Schatz gefunden, ich war beim Lesen ganz gerührt.

Wie geht es dir? Ist euer neuer Mitbewohner gesund und munter auf dieser Welt gelandet?

Viele Grüße
blackmail

Von damian am 11.01.2015 - 12:08 Uhr
Euer Sohn ist da, oder?

...


D.

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samsina
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geliebte Samsfee und Ehefrau eines Engels

Grünling und Frechfuchs

Sams

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Cantantes licet usque (minus via laedit) eamus.
Lasst uns singend weitergehen - es geht sich leichter.
(Vergil, Ekloge IX)

Bleistift, Papier und Bücher sind das Schießpulver des Geistes
(N. Postman)

Wenn ich verzweifelt bin, schreibe ich Gedichte.
Bin ich fröhlich, schreiben sich Gedichte in mich.
Wer bin ich, wenn ich nicht schreibe?
(R. Ausländer)

ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzweg
(EoC)

O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!
(Augustinus zugeschrieben)


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